Weihnachtsstadt statt Weihnachtsmarkt: Der Nürnberger Christkindlesmarkt soll, sofern es die Corona-Pandemie zulässt, 2020 als dezentraler Markt stattfinden. Dies bestätigte der Wirtschaftsreferent der Satdt Nürnberg, Michael Fraas (CSU) nach dem Süddeutschen Schaustellerverband und dem Verein der Innenstadthändler „Erlebnis Nürnberg“ exklusive der Redaktion von lokalblog-nuernberg.de. Sogar Frankfurt und Heidelberg haben sich von Nürnberg schon inspirieren lassen.

Nürnberger Christkindlesmarkt 2020 wird dezentral

6. September 2020

Vorlage für das Konzept ist das dezentrale Volksfest in der Stadt namens „Nürnberger Sommertage„, das am Sonntagabend, 6. September, um 21 Uhr endete und aus Sicht der Veranstaltenden ein voller Erfolg war.

„Wir wollen unserer Klientel, Bürger:innen aus der Metropolregion, zeigen: Man muss nicht nach Hamburg fahren [Anm. d. Redaktion: wo unzählige Weihnachtsmärkte in verschiedenen Ecken der Stadt stattfinden]. Wir wollen sie für Nürnberg begeistern – vom Handwerkerhof bis zur Burg. Und da ist das dezentrale Volksfest eine gute Vorlage, wie man es qualitativ machen kann“, sagt Hans Schmidt, Vorsitzender des innerstädtischen Gewerbevereins „Erlebnis Nürnberg“, der bereits bei den Nürnberger Sommertagen an Bord war. Weihnachtsstadt also, statt Weihnachtsmarkt.

Weihnachtsstadt statt Weihnachtsmarkt: Der Nürnberger Christkindlesmarkt soll, sofern es die Corona-Pandemie zulässt, 2020 als dezentraler Markt stattfinden. Dies bestätigten der Süddeutsche Schaustellerverband und der Verein der Innenstadthändler „Erlebnis Nürnberg“ der Redaktion von lokalblog-nuernberg.de. Sogar Frankfurt und Heidelberg haben sich von Nürnberg schon inspirieren lassen.

>>>Fortsetzung aus dem Newsletter: Insel Schütt und rund um die Kirchen?

Der Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg, Michael Fraas (CSU) bestätigte die Pläne: „Wir wollen den Markt entzerren, also Teile auf andere Plätze in der Stadt auslagern. Beispielsweise sind neben dem Hauptmarkt, die Insel Schütt, der Jakobsplatz, der Sebalder Platz und auch der Lorenzer Platz beim Heimatministerium in Prüfung. Aber bitte nageln Sie mich noch nicht darauf fest, welche es am Ende wirklich werden.“

Denn noch laufen die Gespräche – derzeit verwaltungsintern mit dem Gesundheitsamt, den Sicherheitsbehörden und der Polizei. Im nächsten Schritt werden die Verbände der Schausteller:innen und Marktkaufleute in die Planungen einbezogen. Die beteiligen Marktteilnehmer:innen bekommen jedenfalls dieser Tage die Zulassungsbescheide, um am Makrt dabei sein zu dürfen. „Diese gibt es sonst schon immer im Frühjahr“, sagte Fraas im Interview.

Glühwein am Rand, Eröffnung mal anders

„Klar ist“, so der Wirtschaftsrefernt weiter, „dass wir Auflagen haben werden und auch Gedränge vermeiden müssen. Beispielsweise überlegen wir, die fünf Glühweinstände, die bisher schon immer am Markt standen, an den Rand zu setzen, wo mehr Platz ist. Und statt der Bistrotische wird es womöglich Glühwein nur To-Go geben.“ Auch die Eröffnung des Marktes wird heuer vermutlich anders aussehen als sonst. Wie konnte oder wollte der Wirtschaftsreferent noch nicht verraten.

Christine Beeck, Leiterin des städtischen Marktamtes, verweist (wie auch schon Michael Fraas) auf den Herbstmarkt: „Für uns wird er das Experimentierfeld.“ Die Erfahrungen von dort, werden in die Planungen für den Christkindlesmarkt einfließen.

Ein Christkindlesmarkt, wie es ihn noch nicht gab

Die Schausteller:innen, die allesamt aufgrund der Corona-Pandemie seit den Weihnachtsmärkten 2019 nichts mehr verdient haben (mehr dazu in unserem Beitrag über die Schausteller:innen in Coronazeiten), haben mit den Nürnberger Sommertagen bewiesen, dass eine öffentliche Veranstaltung mit der richtigen Raumplanung und zahlreichen Hygiene-Maßnahmen nicht nur möglich ist, sondern auch ohne Zwischenfälle ablaufen kann.

Die Eröffnung des Nürnberger Christkindlesmarktes am 26. November wird (sofern die Entwicklung der Corona-Pandemie nicht noch einen Strich durch die Rechnung macht) heuer dennoch anders aussehen, als in allen vorherigen Jahren: Die internationalen Tourist:innen werden wohl größtenteils ausbleiben. Eine Bühne wird es gar nicht geben. Dichte Menschenansammlungen beispielsweise zur Eröffnung will sich in Zeiten der Corona-Pandemie nicht nur „Sommertage“-Besucher Andreas Schiller (45) aus Nürnberg „wirklich nicht vorstellen müssen“ und auch sonst braucht es 2020 deutlich mehr Hygiene-Auflagen als bisher.

Weg in eine neue Normalität

Dass sich die Situation nicht so schnell ändern wird, war den Schausteller:innen und auch der Stadt Nürnberg schon im April bewusst, wie Lorenz Kalb, Vorsitzender des Süddeutschen Schaustellerverbandes berichtet: „Wer weiß denn, wie lange Corona noch bleiben wird? Da müssen wir doch einen Weg finden, irgendwie zu einer neuen Normalität zu finden. Das war einer der Hintergründe für das dezentrale Volksfest.“

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Keine einzige Corona-Infektion aufgrund der Sommertage

Umso mehr freut es ihn, dass das dezentrale Volksfest so ein Erfolg war – der Beweis, dass es doch geht, wenn sich ausnahmslos alle am Riemen reißen und zusammenhalten. Die Nürnberger Gesundheitsreferentin, Britta Walthelm (Bündnis 90/Die Grüne), die von ihrem Büro auf Riesenrad und Achterbahn blicken konnte, bestätigt, dass keine einzige Corona-Infektion auf die Nürnberger Sommertage zurückzuführen sei. Die Pflicht Mund-Nasen-Schutz zu tragen sei ihres Wissens nach größtenteils eingehalten worden.

Das Autoskooter sei laut Lorenz Kalb nicht eher losgefahren, ehe nicht alle diese Vorgabe erfüllt hatten. Danny Drechsler, der mit seiner Tocher Zoey (5) exxtra aus Herzogenaurach zu den Sommertagen gefahren ist, findet das eine schöne Alternative zum prophylaktisch schon im April abgesagten Sommerurlaub nach Italien. Das Infektionsrisiko ist ihm nicht einerlei: „Ich hätte einen erneuten Anstieg nicht verantworten wollen.“ Und so hält er sich wie die meisten anderen Besucher:innen an die Regeln.

Laufrouten, Sicherheitspersonal und jede Menge Desinfektionsmittel

Lorenz Kalb, Vorsitzender des Süddeutschen Schaustellerverbandes. Foto: Badi Khlif

Die Prämisse für die Nürnberger Sommertage lautete laut Lorenz Kalb: „Wir wollten ein möglichst normales Fest, aber eben in kompakterer Form, mit viel mehr Abstand und unter Einhaltung sämtlicher Hygieneauflagen.“ 

An Fahrgeschäften wie der Wilden Maus wurden deshalb beispielsweise die Warteschleife entzerrt, Hygienespender und Sicherheitspersonal stand an den Zugängen der Fahrgeschäfte. An der Schießbude wurde jedes Gewehr einzeln desinfiziert, Plexiglas trennte die einzelnen Schießstände voneinander ab, im Autoscooter gab es extra geregelte Ein- und Ausgänge, losgefahren wurde wie gesagt erst, wenn alle den Mundschutz auf hatten und Musik durfte keine spielen, da diese zu Ausgelassenheit und damit zu Nachlässigkeit bei den Besucher:innen hätte führen könnt.n „Dennoch waren Schießbude und Fahrgeschäfte so gut besucht, wie ich es mir niemals erwartet hätte“, meint Lorenz Kalb.

Sommertage: “Eine Perfektion, die ihresgleichen sucht”

Auch Hans Schmidt, Vorsitzender des Vereins der Innenstadthändler, ist voll des Lobes für das, was die Schausteller:innen zusammen mit der Stadt Nürnberg geschaffen haben: „Die Belebung der Innenstadt war gut – schließlich hat auch der Einzelhandel unter Corona zu leiden. Die einzelnen Fahrgeschäfte und Buden waren hinsichtlich der Corona-Auflagen in einer Perfektion aufgebaut, die ihresgleichen sucht. Besonders schmunzeln musste ich, als ich sogar einige der wenigen, aber lauten Kritiker, dann mal auf der Insel Schütt oder so gesehen habe.“

Das dezentrale Nürnberger Konzept hat Strahlkraft. Nicht nur, dass Besucher:innen aus Bielefeld (temporärer Freizeitpark) oder München (dezentrales Volksfest), wie Dorotea (19), Esra (18), Maximilian (20) und Karla (19) lobende Urteile fällen: “Ein Riesenrad am Marienplatz wäre bei uns nie erlaubt worden. Der Ausblick auf den Haupmarkt in Nürnberg ist da schon schöner als aus dem Riesenrad bei uns.”

Heidelberg und Frankfurt kamen zum Spicken

Lorenz Kalb, der Vorsitzende des Süddeutschen Schaustellerverbandes ergänzt sichtlich erleichtert und glücklich zum Abschluss des dezentralen Volksfests in der Stadt im exklusiven Interview mit www.lokalblog-nuernberg.de: „Wir sind zu einem Pilotprojekt für ganz Deutschland geworden. Vertreter der Weihnachtsmärkte in Heidelberg und Frankfurt haben sich schon bei uns informiert.“

Pläne bereits in Arbeit

Der Nürnberger Herbstmarkt und die Nürnberger Fischtage sowie die Städte Schwabach und Fürth werden ebenfalls auf den Erfahrungswerten der Nürnberger Sommertage aufbauen. Und auch an den Plänen für einen Nürnberger Christkindlesmarkt als wortwörtliche Weihnachtsstadt wird bereits „in hoher Qualität“ (O-Ton des Einzelhandelsvertreters Hans Schmidt) gefeilt. 

Mit „Langer Einkaufsnacht“ verbunden?

Hans Schmidt hofft, dass damit auch die „Lange Einkaufsnacht“ in der Innenstadt am Tag der eigentlichen Christkindlesmarkt-Eröffnung am 26. November verbunden werden kann: Einkaufen bis 23 Uhr. Auf die Genehmigungen hofft er noch. Das Problem für ihn und alle anderen Einzelhändler:innen in Bayern: Um länger öffnen zu dürfen, braucht es ein Begleitprogramm (mehr in unserem Beitrag über den lokalen Einzelhandel). Ein durchgeführter Christkindlesmarkt wäre da deutlich hilfreicher als ein abgesagter.

Offene Fragen von Euch:

War ein dezentrales Volksfest am Hauptmarkt nun wirklich besser als am Volksfestplatz?

Mal abgesehen davon, dass für den Schausteller-Chef dabei immer mitschwingt, „dass manche Menschen uns Schausteller:innen mit dieser Frage wohl nicht angemessen für die gute Stube der Stadt halten“ und ihn die Frage deshalb ziemlich wütend macht, verweist er auf folgendes:

1. Ein temporärer Freizeitpark am Volksfestplatz war von der Regierung des Freistaates Bayern nicht genehmigt worden war (mehr dazu in unserem ursprünglichen Beitrag zu den Sommertagen)

2. weitere Standorte in weiter außerhalb liegenden Stadtvierteln wie Katzwang, Thon oder Erlenstegen in kein Kosten-Nutzen-Verhältnis zu bringen seien und

3. am Hauptmarkt zehn Betriebe standen, bei und um die herum sehr auf die Einhaltung der notwendigen Freiräume und Flächen geachtet wurde. “Gerade dort hätten wir zum Beispiel noch ein Drittel mehr belegen können. Das wollten wir aber bewusst nicht, weil uns die Sicherheit unserer Kolleg:innen und Besucher:innen wichtig ist”, betont Lorenz Kalb. 

Freude bringen…

Der Chef der Schausteller resümiert des Weiteren, dass nach dem Krater, das die Corona-bedingten Volksfest- und Kirchweih-Absagen in den Kassen der Schausteller:innen verursacht haben, keiner seiner Kolleg:innen mit dieser Veranstaltung reich geworden sei, aber es fahre auch keiner der 70 beteiligten Schausteller-Betriebe mit einem Minus nach Hause.

Emotional haben ihnen die Sommertage gut getan, wie Sebastian Lorenz, Betreiber des Riesenrades am Hauptmarkt berichtet: “Wir sind froh den Leuten wieder Freude zu bringen. Das ist mein Motto.” Und für viele Schausteller:innen Lebensaufgabe.

…Kritik (von wenigen) ernten

Umso mehr kränkte sie die teils negative Presse, die sich auf einige wenige Kritiker:innen bezog und vorrangig die “Verschandelung” des Hauptmarktes oder sinkende Einnahmen der umliegenden Geschäfte anführte. Gerade zweiteres konnte in einer nicht-repräsentativen Umfrage von Lokalblog-nuernberg.de nicht bestätigt werden. 

Im Gegenteil: Frank Rübsamen, Geschäftsführer vom Hotel Saxx, das gegenüber seines Cafés einen Crepestand stehen hatte, spricht von “einem gewissen Tagestourismus”, den er verzeichnet habe und findet weitere Veranstaltungen, wie beispielsweise einen Christkindlesmarkt “unter diesen Bedingungen und Maßnahmen durchaus möglich und sinnvoll.” In einem der umliegenden Läden ist eine Verkäuferin jedoch froh, “wenn ich das Gekreische aus der Achterbahn nicht mehr dauerhaft in den Ohren habe.” Dann lieber bald „Oh, Du Fröhliche“ -oder noch passender „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“? In Corona-Zeiten ist ja gerade letzteres essentiell.

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